Lenis Buchblog

„Yadriel & Julian – Cemetery Boys“ von Aiden Thomas

Hallo Bücherfreund*innen und Teeliebhaber*innen,
Cemetery Boys spukt ja schon länger in der englischen Social Media-Buchbubble herum (das ist witzig, weil Geister spielen ja im Buch eine Rolle und die spuken ja und … egal). So darauf aufmerksam geworden, dass ich es tatsächlich lesen wollte, bin ich aber erst, als Yadriels und Julians Geschichte letzten Monat auf Deutsch erschienen ist. Sehr praktisch also, dass ich das Hörbuch netterweise vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt bekommen habe und euch jetzt meine Eindrücke davon mitteilen kann.


Klappentext:

Kurz vor dem Tag der Toten will Yadriel endlich beweisen, dass er ein brujo ist. Alle in seiner Familie können heilen oder Geister beschwören, aber weil Yadriel trans ist, verwehren sie ihm das Ritual, in dem ihm Santa Muerte seine Kräfte verleiht. Mit der Hilfe seiner Cousine Maritza schafft er es allein. Doch bei seiner ersten Beschwörung geht etwas schief und der falsche Geist steht vor ihm: Julian, der Bad Boy seiner Highschool, ist weit davon entfernt, bereitwillig ins Reich der Toten überzutreten. Mit Yadriels Hilfe will er herausfinden, wie er gestorben ist. Und je mehr Zeit sie gemeinsam verbringen, desto weniger will auch Yadriel, dass Julian geht. (Quelle: www.penguinrandomhouse.de)


Meine Meinung:

Ich muss sagen, dass ich mir nach vielen sehr positiven Meinungen etwas mehr von dieser Geschichte erhofft hatte. Dabei beginnt die Story eigentlich recht vielversprechend. Ich war gespannt, wie das Ganze weitergehen würde. Allerdings fühlte es sich bald so an, als würde ein großer Teil der Handlung im Sand verlaufen, um dann erst auf den letzten Seiten beziehungsweise in den letzten Minuten wieder aufgegriffen zu werden. Wie das Ganze dort aufgelöst wird, hat mir zwar insgesamt ganz gut gefallen, letztlich hat diese „Aufteilung“ des Plots aber dafür gesorgt, dass ich mich während des Mittelteils eher gelangweilt habe und oft keine große Lust hatte weiterzuhören, weil mich die Story nicht gecatcht hat.

Dennoch passiert natürlich auch während dieser für mich recht langweiligen Passagen etwas. Es wird sich mehr auf die Charaktere und vor allem auf Julians Geschichte fokussiert, was ich keinesfalls schlecht fand. Das allein hat mich nur kaum gefesselt und es wirkt, als würde eher an der Oberfläche gekratzt, statt tatsächlich in die Tiefe zu gehen.

Auch bei der Liebesgeschichte ging es mir ähnlich. An sich ist sie süß und eine schöne Nebenhandlung, die „Chemie“ zwischen den Figuren habe ich aber kaum gefühlt, am ehesten vielleicht zum Schluss. Letztlich wird in meinen Augen aber eher eine enge Freundschaft beschrieben, was mir eigentlich auch lieber gewesen wäre. Die Romantik kam für mich wenn überhaupt nur dadurch rüber, dass mehr oder weniger explizit geschrieben wird, die beiden seien ineinander verliebt. Die „Autor*innenweisheit“ (kann man das so nennen??): „Show, not tell“ wird hier in meiner Wahrnehmung nicht eingehalten.

Obwohl ich diese Verbindung zwischen Yadriel und Julian nicht wirklich gesehen habe, mochte ich die beiden sehr. Sie sind einfach sehr sympathische und liebenswürdige Charaktere, die man sofort ins Herz schließt. Alle zwei haben sie natürlich ihre Fehler, trotzdem ist es einfach herzerwärmend, von ihnen zu lesen oder eben zu hören, so kitschig das jetzt auch klingen mag. Wohlfühlcharaktere schafft Aiden Thomas in Cemetery Boys also ganz klar und das sind nicht nur die beiden Protagonisten.

Auch Nebencharaktere wie Yadriels beste Freundin Maritza sind einfach toll und vervollständigen die Geschichte. Insbesondere Maritza bringt noch einmal viel Witz ins Buch und ist mit ihrer selbstbewussten und offenen, ebenso aber auch unterstützenden und einfühlsamen Art schnell zu meinem Lieblingscharakter geworden.
Außerdem spielen natürlich auch der Rest der Brujx-Gemeinschaft, der Yadriel angehört, und ganz besonders seine Familie eine große Rolle. So findet man viele unterschiedliche Personen, die die Geschichte durch ihre mal mehr, mal weniger sympathische Art zu einem richtig bunten „Ort“ machen (was im Übrigen auch wirklich gut zum Cover passt, oder eher das Cover zum Buch).

Allerdings habe ich hier auch noch einen Kritikpunkt. Yadriel erfährt über beinahe das gesamte Buch hinweg Transfeindlichkeit durch große Teile der Gemeinschaft und leidet sichtlich darunter. Dahingehend entwickelt er sich selbst und lernt mit der Zeit, dass solches Verhalten alles andere als akzeptabel ist und wehrt sich immer mehr dagegen. So weit, so gut.
Aber, ohne viel spoilern zu wollen: Der Konflikt wird am Ende – wie wir es wohl alle vermuten – aufgelöst. Und diese Auflösung „romantisiert“ das Ganze in meiner Wahrnehmung sehr. Von jetzt auf gleich ändert sich die transphobe Einstellung der Familie völlig, verschwindet praktisch. Klar gibt es dafür auch eine Begründung, aber ganz ehrlich: Realistisch ist es doch wohl trotzdem nicht, dass sich ein solches „Mindset“, das Jahrzehnte, eigentlich Jahrhunderte überdauert hat, durch ein Ereignis plötzlich fast rückstandslos verschwindet.
Was das angeht, ebenso aber auch bezüglich anderer Aspekte, ist mir das Ende des Buches zu einfach und somit auch zu unauthentisch, zu schnell.

Authentisch und passend fand ich auf der anderen Seite den Sprecher des Hörbuchs. (Wow, was ein gelungener Übergang.) Dirk Petricks Stimme passt einfach zu Yadriel, zu dem, wie sein Charakter uns Leser*innen vermittelt wird und verstärkt die Wohlfühlatmosphäre, die das Buch wie erwähnt aufgrund seiner Charaktere und seines Humors durchzieht.

Mein Fazit:

Yadriel & Julian – Cemetery Boys von Aiden Thomas ist ein Hörbuch, welches mich durch seine liebenswerten Figuren für sich gewonnen und unterhalten hat. Was die Handlung angeht, hatte ich allerdings meine Kritikpunkte und hätte mir gewünscht, sie hätte mich mehr gepackt. Insgesamt kann ich die Geschichte durchaus empfehlen. Sie zu lesen oder zu hören, ist auf jeden Fall kein Fehler, auch wenn es durchaus Bücher gibt, die mich mehr überzeugt haben.


Informationen zum Buch:

Titel: Yadriel & Julian – Cemetery Boys

Originaltitel: Cemetery Boys

Autor*in: Aiden Thomas

Übersetzung: Stefanie Frida Lemke

Sprecher*in: Dirk Petrick

Verlag: der Hörverlag

Preis: 25,95 €

Meine Altersempfehlung: ab 12 Jahre


Rezensionsexemplar – Meine Meinung wurde dadurch natürlich nicht beeinflusst. 🙂


Disclaimer:

Die Rechte am abgebildeten Buchcover liegen beim Verlag.

Zurück

“15 Tage sind für immer” von Vitor Martins

Nächster Beitrag

“Last Night at the Telegraph Club” von Malinda Lo

  1. Ahoi Leni,

    du hast schon recht, alle Probleme werden am Ende recht “jugendbuchig” gelöst; zack – krasse Kräfte und die family akzeptiert ihn plötzlich und will sich ändern. Bisschen idealisiert. Ich find´s ok, weil es aus dem Buch ein mutmachendes, ein fröhlichstimmendes macht. Manchmal muss Happyend sein. xD

    Wenn du magst, hier meine Rezension 🙂

    Liebe Grüße
    Ronja von oceanloveR

    • reading_leni

      Hi Ronja,
      das stimmt auf jeden Fall und an sich ist das Ende ja auch wirklich schön und passend für die Geschichte. Ich hätte mir einfach gewünscht, das Ganze wäre etwas realistischer/authentischer herbeigeführt worden. Aber ja, mutmachend und fröhlich ist das Buch definitiv und ich habe es und seine Charaktere wirklich in mein Herz geschlossen.

      Deine Rezension lese ich mir natürlich auch gerne noch durch. 🙂

      Liebe Grüße
      Leni

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén
Bloggerei.de